Kiesabbau an der Mittelweser
  2004
 

Kiesabbau, Kloster und Kooperation (Die Harke vom 22.03.2004)

Landwirtschaftliche Belange, Touristik, Stärkung der Region Mittelweser sind die angestrebten Ziele

Schinna (DH). Von Brüssel nach Hannover, von Hannover nach Schinna war Bernd Lange vom Europäischen Parlament gereist, um sich in luftiger Höhe den Wind um die Nase wehen zu lassen. In 20 Metern Abstand zur Erde, hoch oben auf der Plattform eines Kiessilos dicht an der Weser, ermöglichte ihm die Einladung des SPD-Ortsvereins Stolzenau ein völlig ungewohntes Panorama.

Der Blick auf das Areal des Kieswerks Schinna, die Firma Rhein-Umschlag, sollte den Blick des Abgeordneten schärfen für das Projekt "Reset Deposit Areas". Und damit sowohl für das Projekt "Nienburger Wesertal" - zur Zeit niedersachsenweit bedeutendstes Kiesabbaugebiet -, als auch für ein geplantes Geozentrum im ehemaligen Kloster Schinna: Kompetenzzentrum für geogene Rohstoffe.

"Reset Deposit Areas" steht für die Wiederherstellung von Bodenabbau-Landschaften. Ausgangspunkt für dieses Projekt sind die Beeinträchtigungen und die absehbaren Folgen aus dem Bodenabbau im Wesertal zwischen Nienburg und Stolzenau. Voraussetzung ist die Kooperation mit internationalen Partnern. Dänemark, Schweden, Großbritannien, dazu nationale Partner wie beispielsweise Schleswig-Holstein, nationale Bodenabbauverbände, Universitäten in Hannover und Göteborg haben sich zum transnationalen Zusammenschluss gefunden. Der Landkreis Nienburg ist als federführender Ansprechpartner akzeptiert.

Auf rund drei Millionen Euro werden die Projektkosten im Kreis Nienburg veranschlagt. "Wir brauchen EU-Beihilfe", nannte Dietrich Pagels, Leiter des Amts für Regionalplanung beim Landkreis, das Kind beim Namen. "Das hier hat durchaus europäisches Ausmaß", wies er von der Höhe der Plattform auf das weite Areal, auf dem rund zehn Firmen, unter anderem aus Oldenburg, Bremen und Bremerhaven, Kies abbauen. Unter Berücksichtigung der Belange von Landwirtschaft und Naturschutz soll der Bodenabbau genutzt werden, um eine nachhaltige landwirtschaftliche Produktion ebenso zu erreichen wie eine touristische Aufwertung; und damit eine Profilierung der Region Mittelweser.

Viele Perspektiven und Vorbehalte seien zu berücksichtigen, nannte Pagels vorrangig "partnerschaftliche Zusammenarbeit". Probleme mit den Kiesabbauern seien ausgeräumt - mit den Landwirten dagegen noch "ein schwieriges Thema".

Kiesabbau müsse nicht nur als Beeinträchtigung, sondern als Entwicklungschance für die Region gesehen werden. Scheinbar gegenläufige Interessen sollen nicht zuletzt mit den Bürgern herausgearbeitet, Konflikte minimiert werden.

30 Jahre nannte der Amtsleiter als den Zeitraum, der zu nutzen sei, um "Zug um Zug Folgenutzung einzuführen"; und damit nicht nur dem Naturschutz Rechnung zu tragen (bereits jetzt seien selten gewordene Vogelarten ständige Gäste), sondern auch nachhaltig der Erholung und dem Tourismus. Nicht zuletzt in Bezug auf den vorbeiführenden Radfernweg Weser meinte Pagels: "Wenn es gelingt, Stolzenau ein Highlight zwischen Hannover und Bremen aufzusetzen, haben wir gute Karten."

Auch die Domäne Schinna, die anschließend besichtigt wurde, liegt unmittelbar an Deutschlands beliebtestem Radfernweg. Die ständig wachsende, abwechslungsreiche Kiesseenlandschaft mit naturnahen älteren Teichen, mit "ruhigen" Erholungsmöglichkeiten samt Wassersport, seien ein "ideales Grundpotential" für ein Touristikzentrum. Dies könne außerhalb der Saison insbesondere als Fortbildungs- und Tagungsstätte genutzt werden", so der Tenor des Amts für Regionalplanung.

Das im einstigen Kloster Schinna geplante Kompetenzzentrum für geogene Rohstoffe soll auf zwei Säulen stehen: Rohstoffe heißt die eine, die unter anderem Schnittstelle von Wirtschaft und Forschung werden soll; Touristik und Kultur die andere - mit geologischem Lehrpfad, Fortbildung und Wassersport.

"Viele müssen mitspielen; das Land, die Region", bekräftigte Europa-Abgeordneter Bernd Lange vor Ort im Gespräch mit der HARKE. Es gelte "im Zuge der Wesertouristik zu überlegen, welche Stärken man hat". Von den Verantwortlichen seien Perspektiven zu entwickeln, und dann "kommt es darauf an, sich gegenüber anderen Projekten durchzusetzen."

 

 
   
 
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