Kiesabbau an der Mittelweser
  2007
 
Neues Kieswerk an der Weser im Bau (Die Harke vom 15. 08. 2007)

In Estorf soll ab Frühjahr 2008 Kies und Sand abgebaut werden - neuer Hafen entsteht

Estorf . An der Weser in Estorf wird auf einem 60 Hektar großen Gelände seit Wochen gebuddelt und gebaggert: Die Oldenburger Firma Rhein-Umschlag GmbH baut dort ein Kieswerk und einen Hafen für Binnenschiffe. "Im Mai oder Juni 2008 soll der Kiesabbau beginnen", sagt Dipl.-Ing. Christian Pohl, der bei der Rhein-Umschlag für das Projekt zuständig ist. Dann wird das von der Rhein-Umschlag betriebene Kieswerk in Liebenau nach Jahrzehnten geschlossen.

Die nächsten 15 bis 20 Jahre werden in Estorf etwa 55 Hektar des Geländes bis zu acht Meter tief abgebaut, um Sand und Kies zu gewinnen. Seit April wurde eine rund 200 Meter lange, 50 Meter breite und 3,50 Meter tiefe Grube ausgebaggert. In ihr soll der Abbau beginnen. In dieser Grube wird im Winter ein so genanntes Greiferschiff zu Wasser gelassen. Dessen Schaufel fasst 4,5 Kubikmeter Baggergut. Es gelangt dann auf einem Förderband zu einer Halde, die rund 50 Meter neben dem Hafen sein wird.

"In rund fünf Wochen werden die Erdarbeiten abgeschlossen sein", schätzt Pohl. Nicht nur die künftige Kiesgrube musste ausgehoben werden. Auch der 180 Meter lange und 30 Meter breite Hafen parallel zur Weser musste ausgebaggert werden. Eine Spundwand werde es nicht geben - die Schiffe werden an Dalben anlegen, die noch in den Wesergrund gerammt werden müssen. Das Ufer wird mit Steinen gesichert.


Eine einzige Seenlandschaft zwischen Leese und Estorf  (Die Harke vom 30. 06. 2007)

Diplom-Geograf Jörg Backhaus zeigt auf, wie sich die Landschaft durch Kiesabbau an der Weser bis 2035 verändert

Landesbergen. Es ist das größte Kiesabbaugebiet Niedersachsens: Der Kiesabbau an der Weser wird die Landschaft in den nächsten 30 Jahren erheblich verändern. Eine neue Landschaft entsteht.

"Bis heute sind seit Mitte der 60er-Jahre mehr als 20 Kiesseen mit rund 500 Hektar Wasserfläche entstanden. Diese Fläche wird sich bis 2035 etwa verdoppeln", sagt der Diplom-Geograf Jörg Backhaus (29) aus Landesbergen. "Besonders zwischen Leese und Estorf wird es parallel der Weser eine einzige Seenlandschaft geben - so wie vor 2000 Jahren."

Backhaus muss es wissen. Er hat eine Diplom-Arbeit über den Kiesabbau geschrieben. Sieben Firmen bauen zurzeit an der Mittelweser Sand und Kies ab. "Der Nassabbau ist ein zweischneidiges Schwert", sagt er. "Ertragreiche Böden in der Marsch sind für die Landwirte futsch. Die landwirtschaftlichen Betriebe verlieren ihre Erwerbsgrundlage. Stillgelegte Kiesseen bieten aber auch eine Chance für den Tourismus. Man muss das Potenzial an Radtouristen ausschöpfen. Rund 150 000 fahren im Jahr entlang des Weserradwanderweges. Die wollen eine interessante Landschaft."

Wie die Kiesseen später verträglich genutzt werden könnten, sollte zusammen mit der örtlichen Bevölkerung überlegt werden. Backhaus: "Jetzt ist es noch eine Industrielandschaft. Man könnte daraus später einen Rohstofflehrpfad machen und Informationsschilder und Beobachtungstürme aufstellen."

Backhaus rechnet damit, dass insgesamt sogar 1500 Hektar Ackerfläche verloren gehen. Denn neben den 1000 Hektar Kiesseen würden - grob geschätzt - 300 Hektar als Ausgleichsfläche (Kompensation) für den Eingriff in die Natur benötigt. Sie stünden dann unter Naturschutz und der Landwirtschaft nicht mehr zur Verfügung. Außerdem würden rund 200 Hektar für touristische Bauvorhaben benötigt. ie Auswirkungen des Kiesabbaus führen zu Konflikten zwischen Landwirten, Kiesabbauern, Kreisverwaltung und Niedersächsischem Umweltministerium. So existieren im Nienburger Wesertal hochwertige Nahrungsflächen für die nordischen Rastvögel. Durch den Kiesabbau werden darüber hinaus die erforderlichen Schlafplätze für Gänse und Schwäne auf dem Wasser geschaffen. Die Folge sind Fraßschäden auf den Weizenfeldern. Heute stimmen die Kreisverwaltung, Kiesabbauunternehmer und Landwirtschaftskammer mit dem Umweltministerium eine Lösung ab: Die Kiesabbauer sollen den Landwirten eine Ausgleichssumme für die Fraßschäden zahlen.

Landwirte kämpfen weiter um Flächen (Die Harke vom 21. 04. 2007)

Landkreis soll Freiräume in der Eingriffsregelung nutzen / Gruppe CDU-WG sieht begrenzte Handlungsmöglichkeiten

Landesbergen (DH). In der jüngsten Gruppen- und Fraktionssitzung der CDU/WG im Kreistag begrüßte Vorsitzender Hanno Liebtrau im Mühlengasthof Landesbergen den Arbeitskreis Nienburger Wesertal, Landrat Heinrich Eggers, sowie Klaus Boll und Klaus Gänslen von der Kreisverwaltung zum Gespräch über "Kiesabbau und Kompensationsmaßnahmen im Wesertal". Das Gespräch war auf Bitten des Arbeitskreises zu Stande gekommen - mit der Zielsetzung, die Politik noch einmal zu sensibilisieren, ökologisch überzogene Kompensationsforderungen für den Naturschutz beim Kiesabbau zu verhindern. Als aktuelles Beispiel nannte Henning Evers (Landesbergen), dass für ein geplantes Kiesabbaugebiet, das jetzt 3000 gezählten Rastvögeln als vorübergehender Fress-und Rastplatz dient, zusätzlich 24 Hektar Kompensationsfläche außerhalb des Ackerlandes ausgewiesen werden müssen.

Evers hielt der Verwaltung vor, unklare und fragwürdige Zählergebnisse für eigene Entscheidungen zu nutzen und bezweifelte, dass der Rastvogelbestand ohne Kompensationsfläche in seiner Population gefährdet sei. Der Arbeitskreis fordere daher, dass die Verwaltung als Genehmigungsbehörde die Zählergebnisse des inzwischen aufgelösten Niedersächsischen Landesamtes für Ökologie (NLÖ) intensiv hinterfragt und wissenschaftlich prüfen lässt, ob der Rastvogelbestand ohne Kompensationsfläche tatsächlich bedroht ist.

Er forderte weiter, dass der Rahmen, den die "Eingriffsregelung" bietet, von der Verwaltung im Sinne der Landwirtschaft weiter ausgeschöpft wird und Ausgleichsflächen nur produktionsorientiert festgelegt werden. Christian Dohrmann kritisierte, dass sich die Verwaltung nur auf behördliche Vorgaben zurückziehe und ihren Spielraum zum Wohl der Landwirtschaft nicht ausreichend nutze. Hans-Henning Dreeke wies darauf hin, dass die Landwirtschaft im Landkreis mit vor- und nachgelagertem Gewerbe der bedeutendste Wirtschaftsfaktor ist.

Die Vorwürfe des Arbeitskreises wies Klaus Boll entschieden zurück. Mit einer Vielzahl an Maßnahmen zeigte er auf, in welchem Umfang die Verwaltung den Problemen der Landwirtschaft entgegengekommen sei. So seien unter anderem die Kiesabbauflächen von 7 200 auf 5 000 Hektar reduziert und die Kompensationsflächen von 850 auf 300 Hektar abgeschmolzen worden. Während für Vögel bedeutsame Flächen im Regelfall im Verhältnis 1:1 zu kompensieren sind, hat die Verwaltung in Verhandlungen mit dem Land erreicht, dass das Verhältnis unter Wahrung bestimmter Bedingungen auf 1:0,5 herabgesetzt werden konnte. Mit all diesen Maßnahmen seien Planungs- und Bewirtschaftungssicherheit für die Landwirtschaft mit Zeitplanungen für die nächsten 30 Jahre gegeben.ie Eingriffsregelung wird von der Verwaltung weiter praktiziert, zumal nicht davon auszugehen sei, dass sich das Niedersächsische Umweltministerium auf Änderungen einlassen werde. Landrat Eggers ließ keinen Zweifel daran, dass die Verwaltung verpflichtet ist, geltendes Recht zu beachten und Entscheidungen rechtssicher zu treffen. Gleichwohl forderte er den Arbeitskreis auf, konkret, deutlich und verständlich aufzuzeigen, wo seiner Meinung nach noch Ermessensspielräume liegen. Diese könnten als Diskussionsgrundlage für eine gemeinsame Lösung dienen. Hanno Liebtrau fasste für die Gruppe der CDU/WG zusammen, dass kommunalpolitische Entscheidungen begrenzt seien. Das Problem liege beim Land. Die Gruppe befürwortet die Interessen der Landwirtschaft und werde alles für sie tun, wenn sich Chancen böten. Ein Paukenschlag "Ruder rumreißen" sei nicht möglich.

 

 
   
 
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