Kiesabbau an der Mittelweser
  2012
 

 

Tourismus: Weser, Kiesabbau, Chancen und Planungsrecht (Die Harke vom 05.10.2012)

Podiumsdiskussion: Perspektiven für die Samtgemeinde Mittelweser und das Klostergelände Schinna erörtert

Welche Perspektiven gibt es in der hiesigen Mittelweser- Region und welche Aspekte spielen in diesem Raum für den Tourismus eine Rolle?

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Im Rahmen des CDU-Herbstfestes wurde mit einer Podiumsdiskussion diesen Fragen nachgespürt. Einen ersten Impuls hatte zuvor die Niedersächsische Ministerin für Wissenschaft und Kultur, Dr. Johanna Wanka, gegeben (Die Harke berichtete). Ganz unterschiedliche Aspekte wurden schon durch die Teilnehmer an dieser Runde beleuchtet und aufgeworfen, dazu gehörten: Kreisrat Thomas Schwarz, der Geschäftsführer der Mittelweser-Tourismus- Gesellschaft Martin Fahrland, Britta Ronnenberg sowie Jörg Backhaus, der eine Diplomarbeit zum Thema „Kiesabbau schafft eine neue Landschaft - Geschichte, Konflikte und Folgenutzung" verfasst hat.

Dass Tourismus bereits seit vielen Jahren mehr ist als nur „Übernachtung mit Frühstück", bekräftigte Moderator Carsten Niemeyer als stellvertretender Vorsitzender der CDU Mittelweser. Städte-, Bildungs-, Kultur- und Event- Tourismus (am Beispiel von Conquest of mythodea in Brokeloh) seien dabei nur vier von zahlreichen Facetten im Tourismusbereich.

Martin Fahrland als Geschäftsführer der Mittelweser- Tourismus-Gesellschaft machte den Anfang in der Runde: Der Kunde nehme einen touristischen Raum wahr, Landkreis- und Bundeslandgrenzen spielten dabei keine Rolle. In der Mittelweser-Tourismus- Gesellschaft haben sich 16 Kommunen, der Landkreis Nienburg und Kreisverband der Dehoga (Deutsche Hotelund Gaststättenverband) zusammengeschlossen, um gemeinsam die Region zu bewerben. „Für uns spielt hier die Weser eine zentrale Rolle."

Im Bereich der Mittelweser hätten sich die Übernachtungszahlen positiv entwickelt. Waren 2001 noch 430 000 Übernachtungen registriert worden, waren es zehn Jahre später bereits 780 000. Die Themen, die die Mittelweser-Region am Markt platzieren könne, lassen sich aus seiner Sicht in drei Stichworten festmachen: Radtourismus, Erholung an und auf dem Wasser sowie Landurlaub. Britta Ronnenberg schilderte das „Abenteuer" der Raiffeisen- Warengenossenschaft Leese, die 1995, weil sie Flächen für Apfelbaum-Plantagen suchte, in Thüringen fündig und als „Zugabe" Besitzer des stark verfallenen Klosterguts „Mönchspiffel" wurde. Für „Becker´s Bester" baut die RWG Leese seit dem dort auf 240 Hektar Äpfel an - und hat das anfangs als „Hinkefuß" empfundene Klostergut Stück für Stück wieder aufgebaut, ein Prozess, der noch nicht beendet ist.

Ein Hofladen mit eigner Produktlinie laufe gut, obwohl er ziemlich weit draußen liege, und auch die prognostizierten Erntemengen wurden längst überboten, wobei aller Anfang schwer war: Bis 2004 sollten rechnerisch 29705 Tonnen Äpfel geerntet sein, tatsächlich waren es jedoch nur 16037 Tonnen. Doch bis 2011 stand das Soll bei 68650 Tonnen Gesamt-Erntemenge, tatsächlich erreicht wurden insgesamt 76198 Tonnen. Hatten die Gäste der Podiumsdiskussion im alten Refektorium in Schinna vorher Fotos auf einer Leinwand von einst und jetzt aus dem thüringischen „Mönchspiffel" gezeigt bekommen, endete die Präsentation mit einem stimmungsvollen Fotos der Streuobstwiese vor dem Klostergelände Schinna.

„Die Wiese vor dem Klostergelände haben wir gemeinsam eingesät", sagte Britta Ronnenberg, „vielleicht machen wir künftig mehr zusammen", stellte sie in Aussicht. Jörg Backhaus stellte einige Aspekte seiner Diplomarbeit „Kiesabbau schafft eine neue Landschaft - Geschichte, Konflikte und Folgenutzung" vor. Anders als man vielleicht vermute, verbrauche ein Mensch bei den Rohstoffen in 70 Lebensjahren eine große Menge Kies und Sand: 324 Tonnen; beim Erdöl seien es hingegen lediglich 111. Besonders das Gebiet zwischen Stolzenau und Estorf sei stark vom Kiesabbau betroffen.

Etwa 500 Hektar gingen in diesem Bereich noch zu Lasten der Landwirtschaft allein als reine Kiesabbauflächen verloren. Damit habe sich die für den Kiesabbau benötigte Fläche bis zum Jahre 2035 von jetzt an gesehen noch einmal verdoppelt, so Backhaus. Auch mit Blick auf die 2001 entwickelten Planungen eines „Wasserlandschaftspark" (das Tor dazu sollte das Kloster Schinna bilden) muss die Frage beantwortet werden, ob das vorhandene Potenzial der Region Tourismus, Erholung und Naturschutz unter einen Hut gebracht werden kann.

Kreisrat Thomas Schwarz nahm das Planungsrechts, die Förderung und - als „weichen" Faktor - das Image in den Blick seiner Ausführungen. „Planungsrecht ist Sozialismus. Und wir sind härter als die Sowjets, die nur Fünf-Jahres- Pläne machen. Wir legen uns gleich auf zehn Jahre fest", schilderte er augenzwinkernd die Grundsätze. 928 Hektar seien im Rohstoff-Sicherungsplan noch für den Kiesabbau im Raum Stolzenau vorgesehen. Das Planungsrecht biete jedoch auch Sicherheit für Investoren. Fehler an dieser Stelle seien nur sehr mühselig zu beheben, blickte Schwarz auf einen aktuellen Fall in Müsleringen, bei dem Zuschnitte nicht stimmen.

Mit Blick auf Förderungen stellte Schwarz die Frage: „Was hilft der schönste Tourismus, wenn ringsherum die Gebäude verfallen und niemand mehr dort wohnen will?" Er prognostizierte, dass die nächste Förderperiode ab 2014 ein härterer Wettbewerb werde. Und so stehe aus seiner Sicht die Innenbereichsentwicklung („haushalten, mit dem was man hat") künftig mehr im Vordergrund. Beim Image sei wichtig, dass die Orte auch in der Öffentlichkeit auftauchen - wie bei den drei Grabungen mit Universitäten im Landkreis, dem Sigwardsweg oder auch dem Loccumer Klosterjubiläum 2013.

Verknüpfung führte zu Unmut

Tonne (SPD) will Erläuterung vom Verein

Im Vorfeld hatte die Verknüpfung des CDU-Herbstfestes mit der ersten Veranstaltung des noch jungen Fördervereins des Klosters Schinna zu Unmut geführt. Grant Hendrik Tonne, selbst Mitglied des Fördervereins und SPD-Landtagsabgeordneter, bat um Klärung: „Als Mitglied des Fördervereins begrüße ich derartige Aktivitäten natürlich grundsätzlich uneingeschränkt. Verwundert bin ich allerdings über aktuelle aushängende Plakate der CDU Mittelweser (...). Wenn eine Partei eine Ministerin zu einer Veranstaltung eines Fördervereins einlädt, dann ist das nicht zu beanstanden. Wenn ein Förderverein (zur parteipolitischen Neutralität verpflichtet) im Vorwahlkampf eine Aktivität mit einer Partei zusammen durchführt, ist das mindestens verwunderlich. Da dies aus der Einladung jedoch nicht hervorgeht, ist nicht akzeptabel und somit eine verschleierte Werbeveranstaltung für die CDU. Als Vereinsmitglied bin ich nicht bereit, eine solche Aktion hinzunehmen. Ich erwarte eine Erläuterung des Vorstandes."

Der Vorsitzende des Fördervereins Friedrich Rust, CDU-Mitglied und Ansprechpartner des Ortsverbandes Anemolter, erklärte auf Nachfrage am Rande der Veranstaltung, er habe als Vorsitzender dem jungen Förderverein nicht gleich zu Beginn finanzielle Belastungen aufbürden wollen. Der Moderator der Podiumsdiskussion Carsten Niemeyer, auch CDU-Mitglied und als Ansprechpartner des CDU-Samtgemeindeverbandes Mittelweser zuständig, bezeichnete bei seiner Begrüßung zur Podiumsdiskussion die vom Förderverein begleitete Begegnung auf dem Klostergelände und die von der CDU Mittelweser initiierte Auseinandersetzung mit interessanten Themen als eine gelungene Kombination und eine klare „Win-win-Situation" für alle Seiten.



Montag die Tafeln aufstellen (Die Harke vom 07.07.2012)

Der Naturlehrpfad „Im Röden“ ist nahezu fertiggestellt

Welche Auswirkungen der Kiesabbau auf das Landschaftsbild speziell am Stolzenauer Weserabschnitt hat, damit befasst sich der Naturlehrpfad „Im Röden“, dessen Fertigstellung nach intensiver Beratung und Vorbereitung nun absehbar ist.

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Bürgermeister Bernd Müller und seine Mitarbeiter Doris Engelking sowie Planerin Gudrun Haßelbusch haben den 2,2 Kilometer langen Weg, der sich im südlichen Stolzenau durch die Wesermarsch schlängelt, gestern abgenommen, jetzt fehlt nur noch der Feinschliff: Mehrere Hinweistafeln sollen am Montag aufgestellt werden, an der ein oder anderen Stelle muss noch einmal gemäht oder müssen Sträucher beschnitten werden, um freie Sicht auf den Kiessee zu gewähren. Genau darum geht es auf den 2,2 Kilometern: Wie verändert sich die Landschaft durch den Kiesabbau? Welcher Kies wird in Stolzenau abgebaut? Und mit welcher Technik geschieht dies? Wie entwickeln sich Flora und Fauna?

„Der Lehrpfad ist so konzipiert, dass er sich, ebenso wie die Landschaft es tut, verändern kann und mit den Kiesabbauflächen mitwandert", erklärt Haßelbusch, deren Konzept auch auf einer Diplomarbeit eines hiesigen Geographen zum Thema „Kiesabbau schafft neue Landschaften" fußt. Noch müssen Radler und Spaziergänger eine Schleife drehen und einen Großteil des Weges hin und auch zurück laufen; „irgendwann, wenn die Kiesabbauflächen sich verändern, kann aber auch ein Rundweg entstehen". „Lanschaft im Wandel" steht auf den Findlingen, die an Abzweigungen den rechten Weg weisen.

Neun Stationen liegen entlang des Weges, an jeder steht eine Hinweistafel, an einigen eine Aussichtsplattform, ein Aussichtsturm oder ein Kiesbeet zum Fühlen und Sehen. „Wir freuen uns, dass wir vor allem Rad-Touristen und Wohnmobilisten etwas Neues bieten können, sehen darin aber auch eine tolle Informationsmöglichkeit für Schulklassen", sagt Bürgermeister Müller. Insbesondere die Vereinbarkeit von Naturschutz und Information sei nachahmenswert.

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Der Naturlehrpfad ist ein weiterer Schritt hin zu einem Naherholungs- und Freizeitgebiet „Im Röden", was die Gemeinde bereits seit Jahren im Hinterkopf hat, bislang aber nicht vollends verwirklichen konnte. 40 000 Euro hat der Bau des Pfades gekostet, die Gemeinde hat EU-Fördermittel und auch Spenden von Sparkasse und Kieswerk erhalten. Fachlich hat die Ökologische Schutzstation Winzlar die Arbeiten unterstützt. Auf lange Sicht ist noch geplant, Nisthilfen für Uferschwalben und Fischadler zu installieren.

 
   
 
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KIESABBAU VERÄNDERT DIE LANDSCHAFT